Datenautomatik – Das müssen Sie wissen!

Allnet Flat Ratgeber

Allnet Flatrates erfreuen sich bei den Verbrauchern einer wachsender Beliebtheit. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Handys zur Kategorie der Smartphones gehören. Diese kleinen elektronischen Wunderwerke spielen ihre Stärken erst dann voll aus, wenn sie eine mobile Verbindung zum Internet herstellen können. Die Mobilfunkbetreiber versprechen in der Regel, dass ihre Kunden mit einer Allnet Flatrate die volle Kontrolle haben und keine zusätzlichen Kosten entstehen. Trifft das wirklich zu? In letzter Zeit macht immer mehr der Begriff Datenautomatik die Runde und sorgt unter den Verbrauchern für Ärger, während sich die Anbieter über die neue Einkommensquelle freuen.

Was ist Datenautomatik?

Um das zu erklären, muss man zunächst etwas weiter ausholen. Die sogenannte Allnet Flatrate ist nämlich keine echte Flatrate. Unbegrenzt im Sinne einer Flatrate sind bei fast allen Anbietern nur die Gesprächsminuten und Kurznachrichten in alle deutschen Mobilfunknetze und das Festnetz. Bei der Nutzung des mobilen Internets auf dem Smartphone dagegen stellt der Anbieter je nach Tarif unterschiedliche Datenvolumen pro Monat zur Verfügung. Die Spanne reicht dabei von 50 oder 100 MB bis zu mehreren GB.

Wenn das Volumen für den vereinbarten Zeitabschnitt (Monat) aufgebraucht ist, kappt der Anbieter zwar nicht die Verbindung zum Internet, drosselt aber die Geschwindigkeit beim Surfen so stark, dass dem Kunden die Lust vergeht, mobil im Internet unterwegs zu sein. Diese Praxis wird in der Telekommunikationsbranche als Fair Use Politik bezeichnet. Damit der Kunde wieder schnell im mobilen Internet unterwegs sein konnte, musste er bis jetzt entweder auf den neuen Monat warten oder Volumen gegen Extrakosten zubuchen.

Die Anbieter versprechen nun, dass der Kunde durch die Einführung der Datenautomatik immer schnell im mobilen Internet unterwegs ist.

Wie funktioniert die Datenautomatik?

Wenn das Volumen für die vereinbarte Vertragsperiode ausgeschöpft ist, stellt der Anbieter automatisch neues Datenvolumen zur Verfügung, damit der Kunde auch weiterhin schnell online surfen kann. Das klingt doch gut, oder nicht? Nie mehr langsames Internet oder Sorgen darüber, ob das Datenvolumen ausreicht oder nicht! Wie bei jeder Sache, die auf den ersten Blick gut aussieht, gibt es einen Haken. Der Haken bei der Datenautomatik sind die Kosten. Wie viel Datenvolumen jeweils zur Verfügung gestellt wird, ist von Anbieter zu Anbieter verschieden.

Die Kosten für das automatisch nachgebuchte Volumen sind jedoch in der Regel deutlich höher als für das Datenvolumen, das im regulären Vertrag enthalten ist. Am Monatsende erlebt der Kunde dann eine böse Überraschung in Form einer saftigen Rechnung. Die Praxis der Datenautomatik ist bei Verbraucherschützern und Anwälten umstritten. Der Anbieter O2 wurde wegen dieser Praxis sogar vor Kurzem gerichtlich abgemahnt. Viele bezeichnen diese neue Geldquelle als Abzocke und raten Verbrauchern, sich dagegen zu wehren.

Welche Anbieter verwenden die Datenautomatik und wie kommt man davon los?

Von den 4 großen Anbietern verzichtet bis jetzt nur die Telekom auf eine Datenautomatik in ihren Mobilfunktarifen, die übrigen 3 Gesellschaften dagegen setzen diese Funktion aktiv ein. Eine Datenautomatik findet man besonders häufig bei Tarifen, die auf den ersten Blick als sehr günstig erscheinen. Besonders hervorzuheben sind hier mehrere Unternehmen der Drillisch Gruppe.

Vodafone

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Die Datenautomatik wurde bei Vodafone ab Oktober 2014 mit den neuen Red Tarifen eingeführt. Die Datenautomatik funktioniert bei Vodafone folgendermaßen:

Wenn 90 Prozent des Datenvolumens verbraucht sind, erhält der Kunde eine SMS, die ihn darüber informiert. Sobald das Datenvolumen vollständig aufgebraucht worden ist, folgt eine zweite SMS, in der der Kunde darüber informiert wird, dass automatisch 250 MB Datenvolumen zum Preis von derzeit 3 Euro nachgebucht werden. Dieser Vorgang kann pro Monat bis zu dreimal erfolgen. Das Inkrafttreten der Datenautomatik kann nur verhindert werden, wenn der Kunde auf die jeweils erste oder zweite SMS antwortet und der erneuten Aufladung aktiv widerspricht. Eine dauerhafte Abschaltung der Datenautomatik ist bei Vodafone nicht möglich. Der Widerspruch gilt jeweils nur für den laufenden Monat und muss im nächsten Monat erneut erfolgen.

E-Plus

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Der Anbieter war in Sachen Datenautomatik der Vorreiter unter den Mobilfunkunternehmen und führte sie in seinen BASE Tarifen schon vor einigen Jahren ein. Anfangs war die Funktion nur optional, später dann wurde sie ein fester Bestandteil des Vertrags und konnte nicht abgeschaltet werden. Das änderte sich erst nach einem Gerichtsurteil im Jahr 2014. Seitdem können Kunden die Datenautomatik widerrufen und ihre dauerhafte Abschaltung durchsetzen.

Wie viel Datenvolumen zu welchem Preis nachgebucht wird, hängt vom gewählten Tarif ab. Wer einen Tarif mit großen Datenvolumen gewählt hat, bekommt auch ein großes Paket zum Nachbuchen mit entsprechend höheren Preis. Nachgebucht wird bis zu dreimal pro Monat. Die Datenautomatik bei E-Plus weist eine Besonderheit auf. Wenn der Kunde in 3 aufeinander folgenden Monaten alle 3 Zusatzpakete genutzt hat, wird er automatisch und ohne besondere Zustimmung in den nächsthöheren Tarif eingestuft.

o2

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Bei o2 gilt die Datenautomatik nur für Verträge, die nach Februar 2015 abgeschlossen wurden. Für Bestandskunden tritt sie erst nach einer Vertragsverlängerung in Kraft. Konkret sieht die Datenautomatik bei o2 so aus, dass sie für die folgenden Tarife gilt:

  • O2 Blue Select
  • O2 Blue Basic
  • O2 Blue All-in S, L, M, XL
  • O2 Blue Premium

Die kleineren Tarife erhalten dreimal jeweils 100 MB zusätzlich, die größeren dreimal jeweils 300 MB. Wird die Datenautomatik in 3 aufeinander folgenden Monaten genutzt, erhalten die Kunden ab dem 4. Monat automatisch 500 MB (für kleinere Tarife) und 1 GB (für die größeren Tarife) zusätzliches Datenvolumen. Dafür fallen Mehrkosten in Höhe von 5 Euro pro Monat an. Um die Datenautomatik abzuschalten, muss der Kunde beim Anbieter Widerspruch einlegen. Dann wird die Funktion dauerhaft abgeschaltet.

Telekom

Die Telekom ist der einzige große Anbieter, bei dem die Datenautomatik noch nicht eingeführt worden ist. Wenn Kunden mit ihrem Datenvolumen bis zum Monatsende nicht auskommen, haben sie aktuell die Möglichkeit, für 4,95 Euro jeweils weitere 250 MB dazu zu buchen.

Andere Marken

Es scheint so, dass besonders bei Anbietern, die gern mit günstigen Tarifen werben, die Datenautomatik genutzt wird, um zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen. Dazu gehören beispielsweise die Unternehmen der Drillisch AG:

Die Kündigung der Datenautomatik kann in den meisten Fällen online im Kundenportal/Servicecenter des jeweiligen Anbieters erfolgen. Möglich ist auch ein Brief oder Fax oder ein Anruf bei der Kundenhotline. Kunden, die ihre Datenautomatik kündigen oder deaktivieren wollen, sollten sich auf jeden Fall eine Empfangsbestätigung ihrer Kündigung geben lassen.

In letzter Zeit häufen sich jedoch die Fälle, in denen eine Kündigung der Datenautomatik nicht mehr möglich ist, weil sie zum festen Bestandteil des Tarifs geworden ist. Dann hilft nur, entweder den Tarif oder sogar den Anbieter zu wechseln. In schwierigen Fällen ist es empfehlenswert, sich an die zuständige Verbraucherzentrale zu wenden.

Datenautomatik vermeiden

Am besten ist es, den Datenverbrauch so weit einzuschränken, so dass die Datenautomatik erst gar nicht zum Tragen kommt. Das ist gar nicht so schwer, wie viele zunächst glauben mögen. Der Kunde muss nur sein Surfverhalten ändern und einige wichtige Regeln einhalten. Es empfiehlt sich beispielsweise, so oft wie möglich via WLAN im Internet zu surfen. Das geht nicht nur zu Hause, sondern zunehmend auch unterwegs. In Bahnhöfen, Hotels, auf Flughäfen, in Einkaufszentren und Einkaufsstraßen bieten mehr und mehr Geschäfte bzw. Firmen und Gemeinden kostenloses WLAN an, um Besucher anzuziehen.

In Fernbussen ist kostenloses WLAN schon Standard und die Deutsche Bahn plant seine Einführung in den Fernzügen für die nahe Zukunft. Wenn die Funktion mobile Daten auf dem Smartphone nicht benötigt wird, sollte sie immer deaktiviert sein. Manche Anwendungen verbrauchen mehr Daten als andere. Zu den „Datenfressern“ gehören zum Beispiel Online-Spiele, das Streaming von Musik oder Videos und Videochats. Um Daten zu sparen, sollten solche Anwendungen nur genutzt werden, wenn eine WLAN Verbindung zur Verfügung steht. Viele Leute haben die Angewohnheit, über soziale Netzwerke zu telefonieren oder zu chatten (teilweise sogar mit Video).

Sie denken, das wäre günstig, weil solche Anrufe unter Mitgliedern kostenlos sind. Das ist jedoch nur teilweise richtig. Über WLAN kosten sie in der Tat nichts, weil es in der Regel bei einem DSL Anschluss keine Volumenbegrenzung für gesendete und empfangene Daten gibt. Wie bereits erwähnt, sieht das beim mobilen Surfen anders aus. Da kann der „kostenlose“ Videochat mit einem Kumpel schnell zu einem teuren Vergnügen werden.

Entscheidet man sich jedoch im Vorfeld für eine Allnet Flat ohne Datenautomatik, entgeht man der kostenpflichtigen Nachbuchung von Datenvolumen und kann so ganz entspannt sein.

Fazit

Wenn die Entwicklung auf dem Gebiet der Datenautomatik so weitergeht wie bisher, bleiben den Verbrauchern eigentlich nur 2 Möglichkeiten, sich gegen diese Kostenfalle zu wehren. Die eine Möglichkeit besteht darin, den Verbrauch von Daten möglichst niedrig zu halten und die andere, sich die Konditionen vor Abschluss des Vertrags aufmerksam durchzulesen und sich für einen Anbieter zu entscheiden, der entweder keine Datenautomatik anbietet oder bei dem zumindest die Möglichkeit besteht, sie nachträglich zu kündigen.

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